Die Brennnessel und die Nahrungsmittelindustrie

Die Nahrungsmittelindustrie produziert was das Herz begehrt...

Die Nahrungsmittelindustrie produziert was das Herz begehrt…

 

Nichts ist leichter, als ein Essen mit Brennnesseln zuzubereiten. Vorausgesetzt man hat welche im eigenen Garten. Ideal ist sie für den modernen Singlehaushalt. Innerhalb von wenigen Minuten ist eine ausreichende Menge gepflückt und schmackhaft zubereitet. Keine lange Vorbereitung, wie putzen oder schälen. Keine lange Zubereitungszeit.

Will man allerdings Geld mit Brennnesselprodukten verdienen, wird die Handarbeit schnell unwirtschaftlich: Um 1kg Brennnesseln zu pflücken braucht man, je nach Jahreszeit, etwa 30 Minuten. Bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro, je nach Kostenaufwand für die genutzte Landfläche und zuzüglich der Transportkosten , bedeutet dies im Falle eines regionalen Angebotes, einen Mindestpreis von etwa 8 Euro für 1kg frische, handgepflückte Brennnesseln.

Für ein fertiges Brennnesselprodukt müssen noch die Zubereitungszeit und die Betriebskosten für die Zubereitung dazugerechnet werden. Für einen Kleinunternehmer stellt sich außerdem noch die Frage: wie kommt mein fertiges Produkt zum Kunden? Und wie bewerbe ich mein Produkt so, dass potenzielle Kunden darauf aufmerksam werden?

Die lukrativste Möglichkeit für die Herstellung im kleinen Rahmen ist die Kooperation mit Unternehmern der direkten Umgebung oder die Gründung einer eigenen Gastronomie und/oder eines eigenen Vertriebs. Dies setzt die richtige Infrastruktur und den Zugriff auf die geeignete Zielgruppe voraus oder man nutzt die online Vermarktung.

Alles durchaus möglich. Aber ist dies noch zeitgemäß?

Die industrielle Nahrungsmittelproduktion ist angetreten um uns das Leben zu erleichtern. Der Landwirt erntet in Null komma nix die Rohstoffe, die großen Lebensmittelkonzerne produzieren effizient und immer umweltgerechter, die Distributionswege sind ausgeklügelt und der Konsument wird an allen Stellen der modernen Kommunikation von Produkten umworben.

Der Haken ist nur: die Industrie ist auf Profit programmiert. Hoch spezialisierte Fachkräfte haben nur ein Ziel: mit möglichst wenig Input den maximalen Gewinn zu generieren. Die Folgen spüren wir heute überall. Lebensmittelskandale, Monokulturen, Burnout Syndrom.

Die Mutter (manchmal, aber seltener, auch der Vater) von heute hat auch ein Ziel: Ihrer Familie eine angenehme Zeit zu bereiten und das mit möglichst glücklichen und gesunden Familienmitgliedern. Und bezogen auf die Ernährung ist sie Ökonomin, Ökologin und Ökotrophologin in einer Person: Sie versucht ihren Lieben gesunde Nahrungsmittel zu möglichst günstigen Preisen und in möglichst kürzester Zeit vorzusetzten. Fertigprodukte erleichtern das Leben hier sehr! An erster Stelle das Brot! Ein Stück Kultur zum Aufessen! Schon früh in der Menschheitsgeschichte wurde die Herstellung von Brot in Gemeinschaft bewältigt um effizient zu arbeiten. Das Bäckerhandwerk entstand. Heute sorgt zunehmend die Industrie für günstige Brote, doch das reicht ihr nicht. Sie versucht immer mehr Gewinn für sich herauszuholen. Das Brot ist heute meist ein Kunstprodukt aus viel Chemie und Zucker und zuckerähnlichen Stoffen um die Chemie geschmacklich zu überdecken. Wir können dem Brot heute nicht mehr vertrauen. Nicht einmal beim Bäcker! Und das muss sich dringend ändern. Die Erfindung des Sauerteiges ist Teil unserer Kultur und wir brauchen zukünftig Grundnahrungsmittel, die diese Kultur verkörpern und die zu einheitlichen Preisen und nachvollziehbaren Rezepturen unser Vertrauen verdienen. Es gibt seit Jahrhunderten ein Reinheitsgebot für Bier, wann bekommen wir das Reinheitsgebot für Brot?

Kulturell betrachtet ist das Ur-Brot in seiner Beschaffenheit aus Getreide, Wasser und Salz perfekt. Ernährungswissenschaftlich betrachtet ist es verbesserungsbedürftig und vor allem verbesserungsfähig. Wir essen heute zu kohlenhydratreich und verzehren zu wenige Grünpflanzen. Warum also nicht zu den Grundzutaten eine weitere Zutat hinzuzufügen? Genial hierfür: Die Brennnessel! Bei einem Anteil von 10% ergänzt sie Brot um wertvolle Nährstoffe und tritt geschmacklich nicht in den Vordergrund.

Sozialwissenschaftler, Ernährungswissenschaftler, Ärzte, Politiker und Wirtschaftswissenschaftler fordern schon seit Jahren mehr soziale Verantwortung für Unternehmer. Das Brennnesselbrot ist ein Anfang!!!

„Eine Lobby für die Brennnessel“ bei ecocrowd?

Vor einigen Wochen erfuhr ich von der neuen ecocrowd Plattform, auf der ein Forum für nachhaltige Ideen und Projekte entstehen soll und die Ideen, Unterstützer und Geldgeber zusammen bringen möchte.

Mein Anliegen ist eigentlich gar nicht in erster Linie ein materielles (abgesehen davon, dass ich mit meiner Aufklärungsarbeit, die ich seit etwa 5 Jahren leiste und die bisher mehr schlecht als recht bezahlt wird, ganz gerne meinen Lebensunterhalt bestreiten können würde), als vielmehr ein ideelles! Außerdem: Was für eine Finanzierungssumme soll ich angeben? Was kostet es eine Lobby für die Brennnessel zu gewinnen? 20 000 Euro? Reicht das? Kann man Menschen mit Geld zur Vernunft bringen?

Ich dachte lange darüber nach, ob ich mich bewerben sollte oder nicht, denn ich habe nicht vor ein Unternehmen zu gründen und Produkte mit Brennnesseln herzustellen. Ich will den bereits bestehenden Firmen keine Konkurrenz machen! Im Gegenteil: ich möchte Menschen unterstützen, die den Mut haben sich selbstständig zu machen. Große und kleine Betriebe, die die Verantwortung für Mitarbeiter tragen, Distributionswege auskundschaften, und Unmengen von Richtlinien und Gesetzen beachten müssen.

Die Brennnessel als gesundes Lebensmittel ist heute nur noch wenigen bekannt. Wir haben uns von der Natur entfremdet. Unsere Kulturlandschaft ist aus- und vor allem aufgeräumt! Es gibt „gute“ Pflanzen (Kulturpflanzen) und es gibt „böse“ Pflanzen (Wildpflanzen = Unkraut). Das haben wir in den letzten Jahrhunderten gelernt. Die wertvolle Brennnessel ist in Deutschland allgegenwärtig. Wo der Mensch ist, ist auch sie nicht weit. Und wo es sie gibt, wächst sie in dichten Beständen. Was läge näher, als sie anzubauen und zu einer Nutzpflanze zu erklären? Jeder, der sich mit ihr beschäftigt kennt ihren Wert für den Menschen. Warum also führt sie immer noch ein Schattendasein?

Weil sie keine Lobby hat!

Ich möchte ihr diese Lobby geben: Ich möchte, dass Gartenbesitzer sie freudig begrüßen und aus ihr schmackhafte Gerichte herstellen. Dass sie von Landwirten geerntet werden. Das Nahrungsmittelproduzenten tolle Produkte damit entwickeln und ich brauche Konsumenten, die diese mit Genuss verzehren. Einfach ausgedrückt, ich möchte, dass sie zukünftig den Stellenwert bekommt, der ihr zusteht!

Wer profitiert davon?

Wer profitiert, wenn wir weniger Chemie brauchen, weniger tierisches Eiweiß essen, wenn Menschen weniger krank sind, …?

Unser Wirtschaftswachstum???

In unserer Gesellschaft werden Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert. Es ist Zeit für eine Gesellschaftswende. Und die Brennnessel kann ein Symbol für diese Wende werden, denn sie ist bereits da!

Ich werde mich bewerben! Und wenn es nur wieder ein weiterer Baustein ist, ohne Geld auf die Brennnessel als vergessenen Teil unserer Wirtschaft aufmerksam zu machen!!!

Mein Bewerbungsvideo seht ihr hier:

http://youtu.be/u6BsmFmqZEQ

Schaut doch mal rein 🙂