3 Radieschen

 

Die erste Ernte an unserem Testbeet am Ackerrand in Deckbergen findet in aller Eile statt. Es ist eine Rettungsernte.

Als ich an diesem verregneten Freitag pünktlich um 17 Uhr eintreffe, überrasche ich die Schnecken inflagranti an den ersten dicken Radieschen. Ich beschließe, schon mal 3 Radieschen zu ernten. Sie sind eigentlich noch zu klein, aber lieber klein als abgefressen.

 

Die Tomatenbefestigung muss erweitert werden, jede der 5 Pflanzen trägt bereits eine grüne Frucht. Eine Hundedame, deren aggressiv kläffende Fußhupe  als erstes auf sich aufmerksam macht, spricht mich erfreut im Vorrübergehen darauf an. „Ja, bald können sie Tomaten ernten“  gebe ich ihr lachend recht.

Ich verkneife mir, sie auf den dicken Hundehaufen anzusprechen, den ich letzte Woche neben dem Beet gefunden habe. Ihr kleines Schoßhündchen dürfte daran unschuldig sein. Insgesamt bleibt das Beet übrigens erstaunlich unbefleckt von den üblichen Einflüssen der Zivilisation: eine Zigarettenkippe mitten auf dem Beet und eine kleine Plastiktüte sind bis jetzt die einzigen Zeugen der vorbeischauenden Menschen.

Um die Tomatenpflanzen vor der Invasion des Grases zu schützen, mulche ich noch mal mit dem Grasschnitt, den die Stadtgärtner großzügig bei der letzten Pflegeaktion liegen lassen haben.

Die rote Melde ist nur noch halb so groß wie letzte Woche. Ich freue mich bei dem Gedanken, dass der erste Spaziergänger geerntet hat und stelle mir vor,  wie er voller Vorfreude die roten Spitzen einsackt um sie in der Küche auf Geschmackstauglichkeit zu testen.

Dann entdecke ich die Schnecke, die noch versteckt an einer der Pflanzen knabbert.

Auch von den 3 Mangoldpflanzen ist die mittlere bereits von Schnecken reduziert worden. Vielleicht erholt sie sich wieder. Die beiden Schwestern sind unversehrt.

Ich zupfe etwas vom unerwünschten Pflanzenaufwuchs aus dem Beet und mache mich mit den 3 Radieschen auf den Weg. Sie sind sehr scharf, aber lecker!

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Spaziergang mit Gießkannen

Raumschiff Erde, Logbucheintrag vom 14.5.2016

Wir befinden uns auf dem Raumschiff Erde mit der Mission „Essbares Land“. Hier spricht Birgit B. Brinkmann.

 

5.00 Uhr Sommerzeit

Die Singdrossel weckt mich mit: Birgit, Birgit, Birgit…los, los, los…mach hin, mach hin, mach hin… und macht dann in unverständlichem Kauderwelsch weiter.

Was sagt sie? Ach ja, das Beet am Ackerrand!

Gestern ist es tatsächlich passiert. Die Idee, die ich seit Jahren in Gedanken mit mir herumtrage ist Wirklichkeit geworden. Wir haben gestern ein Testbeet gepflanzt!

Wir, das sind Jutta Meves und ich. Ihr Mann Frank Westermann war auch mitgekommen.

Der Boden war nach tagelangem Sonnenschein hart wie Beton. Mit Hacke und Spaten gingen wir mit vereinten Kräften auf den Ackerrand los, so das uns die Grasbüschel nur so um die Ohren flogen.

Frank stach ein paar mal mit dem Spaten in den Boden hinein, machte ein paar Fotos und verabschiedete sich …

Mehrere Trinkpausen später war es dann so weit: etwa 6 Quadratmeter nackter Boden lag vor uns. Staub trocken, aber pflanzbereit.

Nun holte ich meine Schätze hervor. Jungpflanzen, die ich in den beiden hannöverschen Schulgärten, in denen ich unterrichte, vor fleißigen, krautenden Gärtnerhänden gerettet habe: rote Melde, Borretsch, Rucola, roter Salatampfer, Baumspinat, und Kapuzinerkresse. Schnittlauch- und Kerbeljungpflanzen, Liebstöckel, und immerwährende Kresse bekam ich von unseren guten Gartenfeen mit auf den Weg. Und natürlich Saatgut en masse: Zuckererbse, Busch- und Feuerbohne, Mais, Feldsalat, Ringelblume, Kapuzinerkresse, Gemüsechrysantheme, Feldsalat, Spinat, Rettich, Salat, ….

Die Gärtner gaben mir den Tipp, das Saatgut nicht zu gießen, denn dann würde es erst keimen, wenn die Bedingungen stimmen und ist dann widerstandsfähiger. Wenn man einmal gießt, muss man alles zwingend regelmäßig feucht halten.

Wir sahen uns den staubigen Boden an und sahen uns an.

Unser erstes Beet sollte auch wie ein Beet aussehen!!!

Wir entschieden uns entgegen der Bedingungen für die Jungpflanzen. Liebstöckel und immerwährende Kresse pflanzten wir etwas abseits ins Gras und legten etwas Aushub drumherum. Wir hatten zwar die Erlaubnis von der Stadtverwaltung unseren Kompostmüll mit zum Grasschnitt des Sportplatzes zu bringen, fanden es aber erstmal super die Grasballen als Mulchschicht zu nutzen.

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Unser Hauptbeet bestückten wir mit den Jungpflanzen, deren feuchte Würzelchen vom Boden wie Löschpapier ausgesaugt wurden. Dazwischen streuten wir noch einige Ringelblumensamen.

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Wir gossen das Ganze an und überließen es der sengenden Sonne…

Danach kehrten wir noch bei „Mevemanns“ ein und genossen gemeinsam Juttas frisch gebackenes Brot und meine berühmte Brennnesselbutter. Frank durfte auch probieren 🙂

 

Und nun gehe ich um 5.30 Uhr mit zwei 10 und 5 kg schweren Gießkannen durch Deckbergen um unser Beet zu gießen…

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Nächsten Freitag geht es weiter. Gleiche Zeit, gleicher Ort!