Zur Brennnessel konnte ich in dem Interview, das Sophie Delgado von München Querbeet mit mir gemacht hat, auch ein bisschen erzählen. Schaut doch mal rein 😉
Zur Brennnessel konnte ich in dem Interview, das Sophie Delgado von München Querbeet mit mir gemacht hat, auch ein bisschen erzählen. Schaut doch mal rein 😉
Die Brennnessel spielt bei uns in Deutschland derzeit keine Rolle in der Landwirtschaft. Dabei ist sie in unserer Kulturlandschaft überall präsent. Durch die Eutrophierung von Luft und Wasser erhält sie so gute Wachstumsvoraussetzungen wie noch nie!
Dort wo nicht mit Pestiziden gegen Wildpflanzen gespritzt wird, erobert sie in Massen die Flächen auf Weiden, an Ackerrändern, an Flussufern, in Wäldern, unter Solaranlagen und an Straßenrändern. Im Rahmen der Pflegearbeiten wird sie fleißig und regelmäßig geerntet, aber nicht verwendet! Nicht für Biogasanlagen, nicht für die Papierherstellung und schon gar nicht für die Ernährung von Mensch und Tier!
In den letzten Jahren entdeckt die Gesellschaft das Thema Ressourcenverschwendung. Endlich findet ein Umdenken statt. Konsumenten sind bereit hässliches Obst und Gemüse zu kaufen. Zumindest wenn der Preis stimmt: Ein Aspekt, der in diese Diskussion unbedingt mit hineingehört, ist die Nichtnutzung von Ressourcen! Wie das Beispiel der Brennnessel zeigt, werden bisher deutschlandweit viele Millionen Tonnen nicht genutzt!
Landwirte lachen mich aus, wenn ich sie darum bitte ein Brennnesselfeld wachsen zu lassen. Würden sie auch noch lachen bei einem garantierten Preis von 20 Euro pro Kg frisch geernteter Brennnessel? Nein, sicher nicht! Überall würden neue Erntegeräte entstehen, die die wertvollen Pflanzen retten. Es gäbe einen Aufschrei, warum die Automobilindustrie immer noch rohölfressende Dreckschleudern herstellt und keine schwebenden Mutationen zwischen Elektroauto, Magnetschwebebahn und Tragflächenboot, damit man auch an Straßenrändern den Reichtum abschöpfen könnte!
Als ich 2010 begann im Internet zum Thema Brennnesseln zu recherchieren, stieß ich überall auf Landwirte mit Brennnesselfeldern. Auch in der Nähe von Schaumburg. Doch jedes Mal, wenn ich anrief, hieß es: Das ist inzwischen totgespritzt und untergepflügt.
Wie mir berichtet wurde, gab es einige Jahre zuvor ein viel gelobtes Projekt (Der Initiator wurde zum Biomanager des Jahres gewählt): Die Fasernessel sollte wieder in Deutschland angebaut, verarbeitet und gehandelt werden! Was für ein schönes Projekt!
Die Landwirte erzählten mir von hohen Investitionen, die nötig waren, denn abgesehen davon, dass es sich um völliges Wissensneuland handelte, musste jedes Brennnesselfeld per Hand mit den gekauften Jungpflanzen der speziellen, besonders hochwerdenden Sorte von Urtica dioica bepflanzt werden. Im ersten Anbaujahr durfte noch nicht geerntet werden, das Feld musste erst einwachsen.
Ich hab noch etwas zur Brennnesselfaser geforscht: Die Faser der Brennnessel ist unter anderem die einzige pflanzliche Faser, die wärmt, wenn man sie anraut! Es gibt im Internet die unterschiedlichsten Sorten von Nesselstoff im Angebot. So schwören z. B. Theaterleute auf Nesselschleier (besonders haltbar!) und es gibt sowohl groben Nesselstoff (siehe Foto: eine Freundin hat mir daraus einen Rucksack genäht) als auch weichen baumwollartigen Stoff, sogenanntes Nesselcotton!
Wer in Deutschland als Landwirt auf Nesselfelder setzte, wurde nach Auskunft meiner Gesprächspartner, nachdem der Geschäftsführer des Projektes mit dem Geld abhandengekommen war und das Projekt starb, allein gelassen. Manche standen vor der Insolvenz!
WARUM?
Brennnessellobbystatement:
Schlimm genug, dass das Projekt nicht durch Unterstützungsaufrufe oder Hilfsmaßnahmen aufgefangen wurde, die Felder hätte man in jedem Fall retten sollen. Man hätte sie regelmäßig als Frischgemüse abernten können, falls es mit weiblichen Brennnesseln bepflanzt gewesen wäre, die Brennnesselsamen nutzen können oder Brennnesselpulver daraus herstellen können!
Seit der Einführung der Rechtschreibreform muss das Wort Brennnessel mit 3 „n“ geschrieben werden. In meinem Blog habe ich mit bei der Begriffsfindung daran gehalten. Bin aber eigentlich etwas unglücklich damit: https://brennnessellobby.wordpress.com/
Ich finde die vielen doppelten Buchstaben in brennessellobby einfach toll! Bei der Gestaltung eines Logos würde ich lieber die alte Schreibweise verwenden! Darf man die korrekte Schreibweise der Optik opfern? Was meint ihr?
16.11.2014:
Diese Frage wurde in der facebook Gruppe: Fast vergessene deutsche Worte heftig diskutiert! Es gab innerhalb kürzester Zeit 65 Kommentare. Darunter waren tolle Vorschläge und Statements zum Thema Rechtschreibung. Mein Fazit:
Eigennamen sind frei!
Corporate Identity: da ich mich in der Bezeichnung für die Suchmaschine für die derzeitig richtige Schreibweise entschieden habe, werde ich dies auch beim Logo berücksichtigen!
Da die Brennnessel für mich ein Symbol für die dringend notwendige Gesellschaftswende ist, finde ich es sehr verlockend im Logo eine witzige Anspielung auf die aktuellen Rechtschreibregeln zu platzieren!
Die Gestaltung des Logos wird daher ähnlich wie auf dem Foto für diesen Beitrag 😉
Vielen Dank an alle, die mitgemacht haben!
Es gibt kein Video, das beweist wie der erste Mensch die Herrschaft über die Brennnesseln erlangte. Genauso wenig existieren archäologische Funde die den Verzehr von frischen Brennnesseln dokumentieren. Kein Patent wurde angemeldet und es existiert bis heute keine Brennnesselverzehrsteuer. Und trotzdem ist es irgendwann passiert: Ein Mensch hat die Angst vor dem Berührungsschmerz mit der Brennnessel überwunden und die Pflanze als Nahrungsmittel entdeckt!
Die Menschen damals hatten natürlich robustere Handinnenflächen, die ihnen das Ernten der wehrhaften Delikatesse erleichterten. Sie waren den Umgang mit rauen Materialien gewöhnt. Trotzdem erleichterte die kluge Technik, die frischen Blätter mit Schwung vom Stängel zu streifen und schnell zu einer essfertigen Kugel zu formen den Verzehr ganz ungemein. Auf diese komfortable Art war er sich der Bewunderung und Nachahmung seiner Zeitgenossen sicher. Und ich behaupte, ganz ohne Beweis: Er war zweifellos der Coolste seiner Zeit!
Und doch wurde sein Name nicht überliefert. Kein Denkmal erinnert an ihn. Dabei wurde durch ihn und durch dieses wertvolle Lebensmittel so manche Hungersnot gemildert, zuletzt im 2. Weltkrieg. Seit Jahrtausenden wird das Brot als erstes handwerklich zubereitetes Nahrungsmittel mit menschlichem Know how gefeiert. Ich sage dieser Platz gebührt der Brennnessel 😉
Neue Ernährungsgewohnheiten sind gefragt. Nicht nur um der wachsenden Übergewichtigkeit der Deutschen entgegen zu wirken (67% der Männer, 53% der Frauen sind übergewichtig), sondern auch um den Anteil intensiv genutzter Ackerflächen zu reduzieren und damit den wachsenden Eintrag an Chemikalien und Giften in uns und unserer Umwelt zu minimieren.
Essbare Wildpflanzen leisten hier unschätzbare Hilfe. In den letzten Jahren haben schon einige Wildpflanzen den Einzug in die großen Handelsketten und damit zu fast allen deutschen Konsumenten gefunden. Bärlauch, Rauke und sogar der Queller, auch Salicorn genannt, haben es bereits geschafft die Gunst der Verbraucher zu erobern.
Die Brennnessel hat es jedoch schwer. Im Käse, in Teemischungen und als Farbstoff für Gummibärchen wird sie durchaus akzeptiert, aber gerade ihr hoher Ernährungs- und Gesundheitswert als Frischgemüse ist nahezu unbekannt. Dabei ergänzen sich beispielsweise Queller und Brennnessel geschmacklich ideal: das Salzwiesenkraut bringt das Salz und die Brennnessel den Geschmack. Als frische Fixgemüsemischung in der Fischabteilung könnte sie ihren Siegeszug beginnen. Fisch und Gemüse können praktisch gleichzeitig in einer Pfanne gegart werden und kommen damit nicht nur der wachsenden Anzahl von Singlehaushalten entgegen, sondern auch dem Wunsch nach energiesparender Nahrungszubereitung und kohlenhydratreduzierten Abendmahlzeiten.
Vielleicht entdecken so ja auch endlich die Nahrungsmittelindustrie und die Werbung das Potenzial der Brennnessel…