Ich kann nicht klein

Ich sitze an der Projektskizze für mein Projekt. Und es entwickelt sich, wie immer wenn ich Pläne mache, zum neuen Gesellschaftsmodell!!!

Egal welchen Namen ich meinen Projekten gebe, es läuft immer wieder darauf hinaus, dass sich unser ganzes Gesellschaftssystem verändern muss.

Essbares Land, das war die Grundidee!

Weg  von ländlichen Monokulturen  hin zu einer vielfältigen Nutzung des Vorhandenen. Schrittweise.

Wo auch immer ich in Deckbergen hinschaue, haben die Akteure nur ihren eigenen Fokus. Die Stadt kommt im Sommer aufgrund von Mitarbeitermangel nicht mit der Pflegearbeit der Grünflächen und Ackerränder hinterher. Pastinaken werden als Unkraut am Feldrand vernichtet, Rosenblätter verschimmeln ungenutzt an den Sträuchern, Rasenschnitt wird abgesenst und liegengelassen, wird langsam zu Gülle und reichert die Flächen mit unerwünschten Nährstoffen an. Anderswo entsteht Kulturland mit dem Scheuklappenblick auf Gewinnmaximierung.

Die Schulinhalte werden immer Realitätsferner. Und dort wo beispielsweise Schulgärten für  einen Praxisbezug angelegt wurden, findet sich niemand, der sich darum kümmert („…, wer gießt denn in den Ferien“?).

Ja, das Leben hat keine Ferien!

Auch in den Ferien muss man essen. Und das Essen ist seit Jahrtausenden von Natur aus da! Man muss nur wissen, was man essen kann, dann kann man auch in unserer zuckersüßen Industrienahrungslandschaft seine Mahlzeiten gesund anreichern – saisonal und regional!

Hier möchte ich mit meinem Projekt „Essbares Land“ ansetzen.

Ich habe tausend Ideen für regionale Produkte, die Arbeitsplätze schaffen, den Tourismus fördern, die Wirtschaft ankurbeln. Tausend Ideen, die der Bildung Realität einhauchen ….

Ein solches Projekt kann ich mir allerdings nur mit neuen Konditionen vorstellen:

  1. Menschen, die mitarbeiten bekommen den Mindestlohn. Ehrenamtliche Arbeit gehört ins Museum, entweder eine Arbeit ist wichtig und wird bezahlt oder sie wird nicht gemacht. Wer zuviel Geld hat und nicht weiß, was er damit machen soll, kann das Geld  wieder ins Projekt stecken und zum Investor werden.
  2. Menschen, die sich am Projekt aktiv beteiligen, haben Anspruch auf medizinische Versorgung, Versorgung im Pflegefall, Alterssicherung …  auf alles was zu unserem zivilisierten Leben gehört.
  3. Es entstehen Produkte, die verkauft werden können. (Für Lebensmittel sind in diesem Zusammenhang neue Hygienebestimmungen notwendig.) Auch ein Essen, das direkt verzehrt wird, beispielsweise im Kochunterricht wird berechnet.  Von den Produkten gehen 10 % an die Geldgeber( das kann sowohl der Staat sein als auch ein Privatier).

Und über ALLEM steht die Frage: Was ist Arbeit? Muss ein Schüler der lernt für seinen Arbeitsaufwand des Lernens bezahlt werden?

Und was gehört zum zivilisierten Leben?

 

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Vortrag

Jetzt hab ich doch glatt vergessen meinen Vortrag zu posten.

Also heute, kommt vorbei, die Brennnesselbutter ist mir ganz besonders gut gelungen!!!

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Die Dorfgemeinschaft Westendorf lädt ein zum Vortrag:

Leckeres vor der Haustür.

Eigentlich leben wir im Paradies. Überall um uns herum wachsen essbare Wildpflanzen und essbare Blüten, mit denen wir unsere täglichen Mahlzeiten aufwerten können.
Lassen Sie sich überraschen, was auch in ihrem Garten wächst!
Zu diesem Vortrag konnten wir die Ernährungssoziologin Birgit Brinkmann gewinnen.
Sie wird uns die Augen öffnen über naturnahe, gesunde und nachhaltige Lebensmittel.
Im schön bebilderten Vortrag von ca. 2 Stunden Dauer, angereichert mit einer kleinen Kostprobe, soll uns das Wasser im Munde zusammenlaufen.

Termin: 22. Juni 2016 im Feuerwehr Gerätehaus Westendorf.
Beginn: 19.00 Uhr.

Oh Schreck!

Diesmal konnte die Gießkanne zuhause bleiben. Gewitter und Regen wechselten sich ab.

Beim wöchentlichen Testbeettermin am Ackerrand in Deckbergen bekam ich aber erst mal einen Schreck: Die Stadt Rinteln hatte ihre Pflegearbeiten erledigt und das bedeutete, die Ackerränder waren gesenst!

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Einige Tage vorher war ich mit Herrn Hartmann und Herrn Vauth von der Stadt Rinteln für einen Ortstermin und Informationsaustausch am Beet und am neuen Sportplatz(dazu bei anderer Gelegenheit mehr) in Deckbergen gewesen.

Alles in allem ein sehr gutes Gespräch. Herr Hartmann bot sogar an, falls wir viel Kompostmüll haben, einen Wagen vorbei zu schicken, der ihn abholt. Herr Vauth gab zu bedenken, dass die Männer im Sensenwagen die Beete nicht als solches wahrnehmen könnten und dass man sie evtl. mit Flatterband absperren müsste.

Puh, das hatte natürlich noch niemand gemacht!

Ich würde es auch sehr schade finden, wenn das nötig wäre. Schließlich soll der bepflanzte Ackerrand ja auch eine Augenweide für Spaziergänger sein. Aber, oh Wunder, alles war noch an seinem Platz. Offenbar hatte die Infokette zum Pflegedienst funktioniert!

Vielen Dank an dieser Stelle!!!

Gut gelaunt, pflanzte ich ein paar vom Schulgarten Hannover geschenkte Süßdoldenjungpflanzen und zupfte die unerwünschten Sämlinge aus dem Beet. Als Belohnung kam sogar die Sonne zum Vorschein.

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Tomaten am Ackerrand

 

 

Freitag um 17.00 Uhr ist inzwischen ein fester Termin in meinen Kalender  geworden. Mit Hacke und Gießkanne bewaffnet, wandere ich an das etwa 2 km entfernte Testbeet am Ackerrand in Deckbergen.

Diesmal hatte ich zusätzlich Tomatenjungpflanzen, ein Geschenk vom Schulbiologiezentrum Hannover,  und selbstgeschnittene Pflanzstäbe im Gepäck.

Tomatenpflanzen am Ackerrand? Ich bin gespannt, ob das was wird. Tomaten brauchen Unmengen Wasser. Bei den minimalen Niederschlägen der letzten Wochen eine echte Herausforderung! Erleichterung der Giessarbeit bietet glücklicherweise momentan eine etwa 100 m entfernte Wasserstelle mit Steintrog, in den ständig Wasser aus dem Berg hineinläuft. „Börgerlings Eck“ steht am Holzunterstand daneben. Im Sommer stehen meist Kühe auf der mit Bäumen bewachsenen Weide. Uns wurde gesagt, dass wir dort Wasser holen können – zumindest bis die Kühe kommen 😉

Deckbergen ist voller Rentner, aber bis jetzt hat sich noch niemand gefunden, der mal mit einer Gießkanne am Beet vorbeischaut.

Donnerstag war ich bei strömendem Regen ziellos in Rinteln unterwegs (Deckbergen hat leider mal wieder nur wenig vom Regen  abbekommen), während mein Auto für den TÜV vorbereitet wurde. Dabei begegnete ich einem kleinen Traktor mit Anhänger, der einen großen Tankgeladen hatte und das Grünzeug im Stadtpark goss – im Regen! Ich hab den Fahrer gesprochen, es war tatsächlich Wasser im Tank.

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Von so einem Gießservice kann mein Gemüse nur träumen. Das Hauptbeet in Deckbergen hat sich trotzdem zufriedenstellend entwickelt: der Borretsch wächst gut, der erste blüht immer noch. Einige der Melde- und Baumspinatjungpflanzen entwickeln sich normal. Sogar ein paar Rucola Pflänzchen fühlen sich pudelwohl. Und überall sieht man bereits Sämlinge von Speisechrysantheme, Ringelblume und Kapuzinerkresse.

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Nebenan im Grasversteck wachsen Liebstöckel, Mangold und immerwährende Kresse als wäre es das Normalste der Welt.

Sogar  im unbewässerten Testbeet sind schon die ersten Buschbohnen aufgegangen. Die Orientierungsreihen Radieschen sind mit ihren großen Keimblättern gut zu sehen.

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Die Tomaten bekommen von mir 3-mal was auf die Füße, jede 3 Liter Wasser, etwas Gras als Mulchschicht und einen mitfühlenden Blick zum Abschied.

Ich denk an euch, bis nächsten Freitag!

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season kick

Schon seit langem zelebriere ich meine „Saisonalen Genießer Rituale“. 🙂

Ich experimentiere dabei mit minimalistischen Rezepten, die auch dem guten alten Pfarrer Kneipp gefallen hätten. Dieser forderte schon vor über 100 Jahren:

„Lass das Natürliche so natürlich wie möglich. Die Zubereitung der Speisen soll einfach und ungekünstelt sein. Je näher sie dem Zustande kommen, in welchem sie von der Natur geboten werden, desto gesünder sind sie.“

Sebastian Kneipp (1821 – 1897), deutscher Naturheilkundler und katholischer Theologe

 

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Die von mir kreierte Holunderblütenkiwi  ist einfach gemacht: eine reife Kiwi aufschneiden und einige Holunderblüten draufstreuen. Auslöffeln und bei Bedarf weitere Blüten nachstreuen. Lecker!!!

Es macht Spaß die Natur auf diese Art wieder zu entdecken.

 

Dieses „Rezept“ einer Holunderblütenkiwi macht deutlich, was uns im industriellen Zeitalter fehlt: der Bezug zur Natur.

Wir erwarten von einer Nahrungsmittelindustrie, dass sie uns gesund ernährt! Wie soll das gehen, wenn diese gleichzeitig an ein ausschließlich gewinnorientiertes Wirtschaftssystem gekoppelt ist?

Für mich ist es ist einfach Holunderblüten zu pflücken, ich habe sie in meinem Garten. Von der Rezeptidee bis zur Umsetzung und die anschließende Dokumentation mit meiner Kamera dauert es knapp 5 Minuten. Aber wer von uns hat natürliche Nahrungsmittel schon im direkten Zugriff?

In den letzten Jahren hat die Lebensmittelproduktion die Sehnsucht ihrer Konsumenten entdeckt. Zurück zur Natur ist seit dem die Devise. Es werden alkoholische „In“ Getränke kreiert, die dem Kunden das Gefühl geben natürlich zu leben.

Der Hugo ist ein gutes Beispiel dafür. Holunderblütensirup, etwas Pfefferminzaroma, Alkohol und schon sind wir glücklich. Glücklich über eine Kohlenhydratsuppe mit ein paar Aromen?

Wir wundern uns über die Zunahme von Zivilisationskrankheiten, wie Diabetes und Bluthochdruck und konsumieren weiter fröhlich hoch verarbeitete und gezuckerte Nahrungsmittel in Hochglanzverpackungen!

Aber nicht nur das:

Auf dem Lande, wo Holundersträucher an der Ecke stehen, treffen sich Vereine und Verbände zu Kaffee und Kuchen. Oder zu Bier und Bratwurst. Gesundes? Fehlanzeige!

„Zu viel Arbeit“ winken die von mir Angesprochenen ab.

Was ist arbeitsintensiver, eine Kiwi aufzuschneiden und ein paar Holunderblüten darauf zu streuen oder eine Hugotorte zu backen?

Aber die liebe Gewohnheit – ich weiß!

Nichts ist so fest in uns verankert, wie unsere Essgewohnheiten. Aber es wird wirklich höchste Zeit diese Ketten abzuschütteln. Ich freu mich schon auf das nächste Dorfgemeinschaftstreffen, das mit einem gemeinsamen Spaziergang beginnt, auf dem einige der kulinarischen Highlights für das Schlemmen danach frisch mitgenommen werden.

Danach hängt man nicht komatös auf dem Stuhl wie nach der Hugotorte, sondern hüpft beschwingt von einem Nachbarn zum anderen.

Versprochen!

🙂

Ernährung und Bewegung

 

Neulich habe ich zufällig in eine Fernsehsendung hineingezappt, in der verschiedene Menschen porträtiert wurden. Es ging vor allem um ihr persönliches Verhältnis zu ihrem Körper.

Ein hagerer Athlet schilderte, dass es ihm schwer fällt, die benötigten 10 000 Kcal täglich zu sich zu nehmen, die sein Körper benötigt, seit er Leistungssport betreibt.

10 000 kcal täglich!

Überall in unserer Medienlandschaft begegnen wir dem Themenduo Ernährung und Bewegung. Wir wissen alle, wie wichtig es ist, sich ausreichend zu bewegen und sich gesund zu ernähren. Aber die Auswüchse, die das hervorruft, werden immer skurriler.

Ursprünglich mussten Menschen nicht darüber nachdenken, welche Form von Nahrung  sie zu sich nehmen und wie sie überschüssige Nahrung wieder loswerden. Oder dass sie sich genügend bewegen. Die Nahrung wurde in natürlicher Form konsumiert und die Bewegung ergab sich zwangsläufig durch das Leben selbst.

Erst die gefeierte Zivilisation hat unser Leben so naturfremd gemacht. Und nichts ist uns heute ferner als natürliche Nahrungsmittel zu uns zu nehmen oder uns gar dafür zu bücken. Das tut ein Manager nicht. Die Ärztin kommt ja sowieso in ihrem Job nicht mal zum Atemholen, wie soll sie sich da bücken um ein paar Bärlauchblätter zu pflücken? Und der Tischler muss nach 8 Stunden gebückter Haltung beim Parkett verlegen unbedingt noch ins Fitnessstudio um für einen körperlichen Ausgleich zu sorgen.

Was wir alle brauchen, das ist ein anderer Tagesablauf. Und ein anderes Lebensumfeld. Und andere Gewohnheiten. Und andere Werte.

Hätten wir ein menschengerechteres Leben, müssten Ärzte weniger arbeiten.

Müsste nicht ein Tischler allein 8 Stunden lang das Parkett verlegen, dann würden diese Arbeit  8 Männer  in 1 Stunde erledigen. Sie hätten mehr Spaß bei der Arbeit und könnten sich danach anderen Dingen widmen. Niemand müsste vereinsamt und tatenlos als Arbeitsloser sein Leben fristen, Bier und Schnitzel – Pommes in sich hineinschaufeln und dick und krank werden.

Wir würden alle sinnvollen Tätigkeiten nachgehen und gemeinsam in der Mittagspause beim Spaziergang in umgestalteten Stadt-und Landschaften ein bisschen Obst und Gemüse pflücken. Wir wären gesund und hätten jede Menge Spaß!

Wollen wir?

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