Magic Nettle

Es ist schon wieder passiert: ich habe eine Brennnesselpflanze in meinem Zimmergarten! An derselben Stelle, an der ich das letzte Mal im Herbst die Brennnessel gefunden habe.

Ein anderes Pflanzgefäß, eine andere Pflanzengemeinschaft, neue Erde, aber ganz genau dieselbe Stelle im Zimmer. Exakt die gleiche Entfernung zum Fenster. Sie zeigt mir, wo sie wachsen möchte. Das Ganze hat schon etwas magisches.

Es ist manchmal fast so, als wenn die Brennnessel mit mir auf ihre Weise kommunizieren möchte.

Auch in meinem Garten.

Als wir das Haus vor ca.25 Jahren gekauft haben, wuchsen Brennnesseln hauptsächlich unter einer Bergkiefernhecke im Vorgarten. Um die neuen Nachbarn nicht zu ärgern versuchte ich das „Unkraut“ auszumerzen. Die Kiefernhecke vor dem Haus war irgendwann nicht mehr da. Auch die Brennnesseln nicht. Dafür kamen sie von allen anderen Seiten meines Gartens auf mich zu. Fast so, als wenn sie damit sagen wollten: Du willst uns nicht im Vorgarten? Gut, dann wachsen wir eben versteckt, so, dass nur du uns sehen kannst. Wir sind keine Bedrohung, sondern nützlich. Nur du kannst das verstehen. Du kannst mit uns leben. Gib uns eine Chance!

 

Und genau so ist es geschehen 🙂

 

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Gefüllte Vollkornroggenwaffel mit Brennnesseldressing, Rucola, Parmesan und Taglilie

Es gab wieder etwas zu ernten im Testbeet am Ackerrand in Deckbergen. Der Rucola wächst ganz erstaunlich gut. Witzigerweise wollte mir der Gärtnermeister im Schulgarten Linden zunächst gar keinen Rucolasamen mitgeben, weil er meinte, der würde dort nicht wachsen. Nun ist es das, was am besten wächst 🙂

5 Radieschen könnte ich auch mal wieder als kleinen Aufmunterungssnack bei den Pflegearbeiten am Beet in den Mund schieben. Klein, aber oho!

Eine Portion Rucola nahm ich mit nachhause und füllte damit meine selbst gebackenen Experiment- Vollkornroggenwaffeln aus Vollkornroggenmehl, Wasser, Meersalz und eingesalzenen Kräutern (Weinblätter und Schafgabe).

Dazu gesellten sich Brennnesseldressing, kleingeschnittener Rucola, gehobelter Parmesan und Taglilienblüten. Wie der Name schon sagt, blühen Taglilien nur einen Tag lang. Sie öffnen sich morgens und schließen sich abends. Wenn man Sie abends pflückt, tut man der Pflanze außerdem noch etwas Gutes: Es erspart die mühsame Samenbildung und regt gleichzeitig zu mehr Blütenbildung an. Übrigens ist dies nicht nur aus kulinarischer Sicht zu empfehlen (die Blüten schmecken nach einer Mischung aus Kopfsalat und Zuckermais und enthalten viel Vitamin C und Carotin), sondern auch aus ästhetischer Sicht, denn die abgeblühten Schrumpelblüten sind nicht gerade ein optischer Hingucker! Die Taglilienblüte auf dem Foto stammt übrigens von gestern Abend und hat die Nacht im Kühlschrank verbracht. Sieht noch ganz passabel aus oder?

Also unbedingt mal ausprobieren!

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Brennnesseln auf der Speisekarte

Nach 6 Jahren  ist es endlich soweit:

Brennnesselgerichte kommen auf die Speisekarte eines Restaurants in Schaumburg!!!

Heute Abend findet die Premiere im „Pfeffer & Salz“ in Obernkirchen statt. Das „Strull & Schluke“ Projekt hat in der Urlaubsabwesenheit des Inhabers Oliver Hering den Betrieb übernommen und sorgt nun für  Snacks und Spaß.

„Strull & Schluke“ Initiator Arne Boecker liegt nicht nur ein abwechslungsreiches Programm aus Musik, Literatur und weiteren Highlights am Herzen, sondern versucht den Schaumburgern auch das Thema gesunde Ernährung lecker an den Gaumen zu zaubern. Mit einem eigens dafür kreierten vegetarischen „Strull & Schluke“ Burger und nun auch mit Brennnesseldelikatessen.

Schon vor 2 Jahren testete er persönlich bei mir den Käsekrustenbrennie, der glücklicherweise offensichtlich bei ihm großen Eindruck hinterlassen hat. Er orderte gleich 10 Portionen.

Nach einigem Hin und Her konnte ich ihn zu einer Brennnesselauswahl überreden. Die Idee der Brennnesseldegustation auf einem Teller hat mehrere Gründe:

Im Sommer ist es gar nicht so leicht zarte Brennnesseltriebe für die Küche zu finden. Zumindest solange die Schaumburger Wirtschaft unsere Wappenpflanze, wie bisher, als regionale Ressource ablehnt. Wenn erst regelmäßig Erntemaschinen die zarten Triebe auf den Feldern abernten, bin ich von der mühsamen Suche und Handernte befreit.

  1. Wenn jemand schon den Mut beweist, trotz bekannter kulinarischer Alternativen die Brennnessel probieren zu wollen, sollte es auch richtig lecker schmecken. Da man sich über Geschmack aber bekanntlich nicht streiten kann, ist die Wahrscheinlichkeit, den perfekten individuellen Genuss in einer Auswahl von Geschmacksvarianten zu finden, natürlich größer als in einem einzigen Gericht.

 

Und so findet sich heute auf der Speisekarte :

 

Die Kraft der Brennnessel auf einem Teller:

 

Käsekrusten-Brennie

…auf wildem Salatbett mit Brennnesseldressing,

 

Brennessel-Kaviar

…auf gekochtem Ei

Brennnessel-Butter

…auf Baguette

 

Und das für den sensationellen Einführungspreis von 5 Euro!

 

Ulli bringt´s :)

Ulli bringt´s 🙂

Die Kraft der Brennnessel auf einem Teller

Die Kraft der Brennnessel auf einem Teller

Essbares Land

 

 

Raumschiff Erde, Logbucheintrag vom 9.5.2016

 

Wir befinden uns auf dem Raumschiff Erde mit der Mission „Essbares Land“.

Hier spricht Birgit B. Brinkmann.

 

Es ist Mai. Wonnemonat. In meinem Garten explodiert die Natur.

Obwohl ich nicht gesät und gepflanzt habe, gibt es mehr zu ernten, als ich verarbeiten kann.

Giersch, Brennnessel, Löwenzahn, Gundelrebe, Zitronenmelisse, Pfefferminze, Waldweidenröschen, Brombeerblätter, Klettenlabkraut, Purpurnessel, wilde Kresse und vieles mehr. Das Superfood aus der Natur kommt ganz von selbst und hat alles, was der menschliche Körper zum Leben braucht.

Allein die Brennnessel enthält alle notwendigen Ernährungsgrundbausteine wie beispielsweise Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett.

Auf den Feldern finden wir Monokulturen. Ok. Das muss wohl so sein.

Auf dem Foto, das ganz beliebig irgendwo in Deutschland aufgenommen sein könnte, gestern von mir dokumentiert, sieht man ein frisch bearbeitetes Feld – und einen braunen Ackerrand.

 

Nanu?

Laut Wikipedia ist der Ackerrand : „ … ein Randbereich an Äckern, der ohne den Einsatz von Herbiziden und Pflanzenschutzmitteln bewirtschaftet wird, damit sich dort Ackerwildkräuter und die an sie angepasste Tierwelt ausbreiten und überleben können. …“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Ackerrandstreifen ).

Seit 25 Jahren gehe ich in der Kulturlandschaft um Deckbergen zwischen den Feldern spazieren und entdecke weder typische Wildpflanzen, noch typische Tierwelt.

Na gut, Deckbergen ist eben besonders ordentlich, der Mensch steht im Vordergrund.

Also finden wir für den Menschen essbares am Ackerrand?

Nö!

So lange ich denken kann, wächst am Deckberger Ackerrand Gras. Denn Getreidefelder werden gegen zweikeimblättrige Pflanzen gespritzt. An den Rapsfeldern wächst dazwischen manchmal Ackerstiefmütterchen und Hirtentäschelkraut, die typischen Begleitkräuter von Raps. Die werden aber spätestens im Mai abgesenst. Der Grasschnitt bleibt drauf liegen. Ich habe massenweise Fotos mit gammelndem Gras auf Ackerrandstreifen.

Im Wonnemonat Mai!

Doch dieses Jahr wird das anders. In Deckbergen!

Die Menschen in Deckbergen mögen es ordentlich. Also kein Wildkraut am Ackerrand. OK.

Dann vielleicht Kulturgemüse am Ackerrand. Kulturpflanzen in der Kulturlandschaft. Werden die Deckberger Bauern auch das Kulturgemüse am Ackerrand vernichten?

Wir werden es sehen.

 

Am Freitag, den 13.Mai 2016, wird ein kleines Testbeet angelegt.

Treffpunkt ist an der Feldwegverlängerung der Straße „Lehmkuhle“ in Deckbergen.  Am Sitzplatz um 17 Uhr.

Wer mithelfen möchte ist herzlich dazu eingeladen.

Willkommen sind außerdem:

Jungpflanzen und Saatgut von Gemüse und einjährigen Blütenpflanzen, mit essbaren Blüten.

Gefüllte Gießkannen und entsprechendes Gartengerät.

Und natürlich etwas für das kleine Picknick hinterher!

Das schöne Wetter ist bestellt …

Grüner Spargel mit Brennnesselstampfkartoffeln

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Schnelles Samstagessen für eine Person:

5 Stangen vom gebratenen grünen Spargel (in Rapsöl und Bärlauchsalz) vom Vortag, auf ein Holzbrett legen und das untere Drittel in kleine Scheibchen schneiden.

3 Kartoffeln schälen, und klein schneiden, eine küchenfertige Zwiebel klein hacken und eine Handvoll klein geschnittene Brennnesselspitzen gemeinsam mit den Spargelscheibchen im Spargelsud ca. 10 min weich kochen. Abschmecken. Die Spargelspitzen kurz mit erhitzen und vorsichtig wieder herausnehmen, den Rest mit dem Kartoffelstampfer stampfen, auf einen Teller häufen und mit den Spargelspitzen und gerösteten Mandelstückchen garnieren.

Ich fand´s toll 🙂

 

Brennhild ist ein Name und auch ein Getränk, … ;)

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Aufgeschäumte Kräuter sind die Grundlage für den „Brennhild“

In dem Namen Brennhild stecken zwei Worte:  brennen und kämpfen. Ich brenne für einen Wertewandel in unserer Gesellschaft und kämpfe auf meine Weise dafür.

Der von mir erfundene „Brennhild“ symbolisiert für mich ein wichtiges Problem unserer Zeit:

Wir lieben Getränke mit Geschmack. Das natürlichste Getränk ist das Wasser. Ich bin in den 70er Jahren aufgewachsen, in meiner Welt spielte Wasser damals als Getränk keine Rolle.

In meiner Familie gab es für die Kinder Kakao oder schwarzen Tee zum Frühstück, für die Erwachsenen Kaffee. Mittags, zwischendurch und abends gab es dazu noch Limonaden und Säfte jeglicher Geschmacksrichtung. Für die Erwachsenen gab es Bier, Wein oder andere Spirituosen. Als legitimes, alkoholfreies, erwachsentaugliches Getränk war eine koffeinhaltige Limonade da, die es für Kinder erst gab, wenn sie groß genug dafür waren.

In den letzten Jahren hat sich in Deutschland in Punkto Trinkverhalten viel geändert. Wasser wurde salonfähig. Erst Mineralwasser, dann sogar Trinkwasser aus der Leitung.

Trotzdem spielt das Getränk mit Geschmack immer noch eine große Rolle.

Auch bei mir.

Ein Getränk ist in unserer zivilisierten Welt eben nicht nur da um den Durst zu stillen. Es ist Ausdruck von Gastfreundschaft, Wohlbefinden, Geselligkeit, spontanem Beisammensein, Prestige, kleiner Mahlzeit, Ausgelassenheit, …

…und leider auch Ausdruck unserer Fehlernährung!

Wir extrahieren einzelne Bestandteile aus unserer  Nahrung, beispielsweise für Kaffee, Tee oder Saft, obwohl unser Körper für eine gesunde Ernährung das komplette Nahrungsmittel braucht.

Eine Ausnahme bildet der Smoothie, der eine komplette Mahlzeit bildet. Aber auch er ist kritisch zu sehen. Ein großer Teil der Verdauungsarbeit beginnt beim Zerkauen unserer Nahrung. Diese wichtige Stufe erledigt beim Smoothie die stromverbrauchende Maschine.

Die Idee für den Brennhild kam mir bei meinen Aktionen mit Brennnesseln. Das einzige Nahrungsmittel aus Brennnesseln, das die meisten Teilnehmer kannten, war der Brennnesseltee! Das fatale bei der Brennnesselteebereitung ist, dass der wertvollste Teil der Brennnessel weggeschmissen wird. Das einzige was sich im Tee wiederfindet sind ein paar wasserlösliche Bestandteile, die in dieser Konzentration bei einigen gesundheitlichen Problemen nützlich sind.

Die meisten dieser Probleme treten allerdings genau deshalb auf, weil wir uns nicht vollwertig ernähren.

Wie so oft wird die Wirkung behandelt, nicht die Ursache.

Der Brennhild hilft dabei, diese Problematik zu erkennen. Wir haben plötzlich nicht nur die Kräuterschorle, bzw. den Teeextrakt, sondern auch noch Eiweißschaum, der ein Apfelmus aufwertet, oder die Grundlage für eine vegane Mayonnaise sein kann, und kleingehackte Kräuter, die vielfältigst verwendet werden können …

Brennnesselbonsai

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Ja, sie lebt noch!

Die erste Brennnesselpflanze hat den Winter in meinem Haus überstanden. Gesund und munter und das trotz einer Kompletternte für die winterliche Brennnesselmahlzeit 🙂

Ich hab sie jetzt in eine Glasvase vor einen Blütenkalender gepflanzt, wo sie nun hoffentlich den Sommer ebenfalls überlebt. Sowie die ersten Seitentriebe wachsen, kann es los gehen: die Erziehung zum Bonsai 🙂

Ja, ihr habt richtig gelesen: ein Bonsai soll daraus werden  🙂

Der erste Brennnesselbonsaistrauch der Welt!

Drückt mir die Daumen…

 

 

Unverhofftes Brennnesselkunstwerk

Das Schöne daran, wenn man sich für etwas einsetzt,  ist, dass man immer wieder mit neuen, spannenden  Menschen in Kontakt kommt und manchmal sogar reich beschenkt wird.

Christine Antonczyk ist eine Künstlerin, die sich schon seit langem mit ihren Kunstwerken auch politisch engagiert. Ihre unterschiedlichen Schaffensphasen an verschiedensten Orten prägt sie zusätzlich durch dafür kreierte Namen, unter denen sie dabei arbeitet.

Wir trafen uns unbekannterweise zu einem Gespräch in ihrem Wohnladen in Hannover, in ihrem Nirgend House, einem interaktiven Ort im Stadtteil Linden, an dem sie zurzeit ihre Feldforschungen betreibt.

Auch Christine Antonczyk liebt essbare Wildpflanzen und schuf für sie eine Kunstreihe, die uns daran erinnern soll, dass Brennnessel und Co. dringend in unseren Einkaufsbeutel gehören.

Zwei davon bekam ich als Geschenk! Im Inneren der Beutel befinden sich Zettel mit der Beschreibung der jeweiligen Lieblingspflanze.

Wie gefallen Sie euch?IMG_6980

Habt ihr auch Kunst mit, aus oder über Brennnesseln? Dann macht mit beim Nettle Art Contest

Superfood Brennnessel

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Nettle your life !!!

 

Schon seit Jahrtausenden gibt es Trendlebensmittel. Wir alle werden kulturell auf bestimmte Nahrungsmittel  normiert. Gründe für den Vorzug bestimmter Nahrungsmittel können Verfügbarkeit, Ethik, Religion, Gesundheitsversprechen, Preis, politische bzw. wirtschaftliche Interessen, Exotik und viele andere sein. Weltweit gibt es bisher nur wenige einheitliche Trends.

An erster Stelle aller Ernährungswünsche stand und steht der Traum vom Tischlein–deck-dich,  heute realisiert von der Lebensmittelindustrie, die sich zur Zeit immer mehr ausdifferenziert  (konventionell, vegetarisch, vegan, funcional food, low carb,  …) und mit hochwertigen Convenience Produkten lockt. Je größer das Angebot, desto spektakulärer muss die Einzigartigkeit des Produktes sein.

Vorreiter dieser  Trends sind deshalb „Experten“, die durch eigene empirische oder statistische Studien hoch motiviert sind. Dieses Expertentum vermittelt, durch euphorische Darstellungsweise, die Gültigkeit der Erkenntnisse. Vorgetragen durch charismatische Multiplikatoren, sind wir glücklich endlich die „Wahrheit“ über die „richtige Ernährung“ zu erfahren.

Wer sich die Hypes der letzten Jahrzehnte mal näher anschaut, muss leider feststellen, dass jede noch so einleuchtende Neuerung im Nachhinein doch so seine Tücken hatte.

Die Brennnessel hat alle Eigenschaften eines zukünftigen Superfoods. Sie ist für jedermann verfügbar, sie ist konkurrenzlos auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit, sie zu sammeln entspricht dem Erfordernis sich mehr in der Natur zu bewegen, als gutes Nahrungsmittel hat sie sich lange in vielen Kulturen bewährt und es gibt kaum ein Rezept dem man nicht auch ein paar Brennnesselblätter, -blüten, -früchte oder -samen hinzufügen könnte, was sie auch für die Nahrungsmittelhersteller interessant macht.

Doch auch wenn es in Nepal und in Deutschland Überlieferungen von Menschen gibt, die sich jahrelang erfolgreich ausschließlich von Brennnesseln ernährt haben: Die grüne Alleskönnerin ist eine Pflanze, die sich gerne an andere schmiegt und das nicht nur im Magen!

Es lebe die Vielfalt  😉