Was macht die Brennnessel so liebenswert?

Heissgeliebte Brennnessel

Heissgeliebte Brennnessel

 

Zu allererst: Die Brennnessel schmeckt lecker!

Sie enthält im Gegensatz zu anderen essbaren Wildpflanzen keine Bitterstoffe. Frische Brennnesseln haben einen neutralen Geschmack mit einer vegetabilen Note. Das  Tolle an Brennnesseln ist, dass man sie dank ihres Geschmacks praktisch überall ins Essen „einbauen“ kann. Es gibt sogar Kuchenrezepte für frische Brennnesselblätter. Ich liebe besonders würziges Brennnesselgemüse, das wie Spinat zubereitet wird.

Die Brennnessel, Urtica dioica, ist besonders eiweißreich, enthält viel Vitamin C, Provitamin A, Vitamin E, B und K. Sie bietet einiges an Mineralstoffen und Spurenelementen, wie z.B. Kalzium, Magnesium, Kalium, Eisen, Phosphor, Bor und Silizium. Außerdem natürlich die oft vergessenen  und deswegen inzwischen von der Ernährungswissenschaft auch umbenannten sekundären Pflanzenstoffe, nun also Vitalstoffe , wie Chlorophyll und Carotin und schließlich ungesättigte Fettsäuren. Die Vielfalt ihrer gesundheitlichen Wirkungen ist legendär und darf fröhlich gegoogelt werden. Ganz allgemein stärkt sie besonders das körpereigene Abwehrsystem und trägt dadurch ganz wesentlich zu mehr Gesundheit bei.

Für die Landwirtschaft könnte sie in Zukunft interessant werden, da sie als mehrjährige Pflanze der Erosion entgegenwirkt und als Blattpflanze regelmäßig beerntet von April bis zum ersten Frost Erträge liefert. Außerdem könnte sie durch ihre Schattenverträglichkeit Grundlage einer neuen Kulturlandschaft werden, in der auch Bäume und früchtetragende Begleitsträucher ihren Platz haben können.

Ganz besonders interessant sind die Samen, die man, wie natürlich auch die Blätter, das ganze Jahr über als Trockenvorrat zur Verfügung haben kann. Im Mittelalter gab es ein Brennnesselsamenverzehrverbot für Mönche, weil sie als Aphrodisiakum galten. Das tun sie übrigens auch heute 😉

Vernunft und Brennnesseln

Nachdenkliches...

Nachdenkliches…

 

 

Vernunft ist das was den Menschen von anderen Lebewesen unterscheidet. Doch leider regiert die Vernunft das Zusammenleben der Gesellschaften nur in den seltensten Fällen. Meist bleibt uns nur hilflos und sprachlos dem Weltgeschehen zuzuschauen.

In der Vergangenheit wurde oft der Hungerstreik als letztes politisches Mittel eingesetzt um auf Missstände aufmerksam zu machen. Dieses Machtinstrument hat jedoch einen entscheidenden Nachteil: Wird kein Umdenken erreicht endet dieser Kampf mit dem Tod!

Die Brennnessel ist für mich das Symbol für einen Wandel im Umgang mit der Natur und den Menschen untereinander. Das gemeinsame Essen von Brennnesseln lässt sich in unserer westlichen Kultur leicht umsetzen. Ich habe dies schon bei vielen Gelegenheiten mit verschiedenen Gruppen vollzogen. Es gibt den Teilnehmern das Gefühl etwas zu bewegen, Teil einer starken Gemeinschaft zu sein und das wohlig-wärmende Gefühl im Bauch, das die Brennnessel hinterlässt.

Das einzige, was dafür benötigt wird ist Vernunft. Und die Erkenntnis, dass Ernährungsgewohnheiten kulturell entstehen. Ich freue mich jetzt schon auf das Jahr 2015 und hoffe, dass sich die Brennnesselbewegung weiter ausbreitet. Vielleicht wird es ja das Jahr der Brennnessel?  …

Die Brennnessel in der Werbung

Nettle your life!

Nettle your life!

 

 

Die Werbung begleitet uns heute auf Schritt und Tritt. Allein das Werbebudget der Süßwarenindustrie betrug im Jahr 2010 rund 790 Millionen Euro bei einem Umsatz von 12 Milliarden Euro. Jedes Kind weiß, wie viel gutes in den Leckereien steckt und auch die Produkte locken überall in Griffweite und stets bereit zum Reinbeißen!

Unternehmen kämpfen um Marktanteile und so mancher Betrieb muss Insolvenz beantragen. Lebensmittel werden immer billiger, aber an einem wird nicht gespart an Verpackung und an Werbeträgern. Der neueste Schrei: haptische Verpackungen. Hauptsache wir kaufen!

Die Spezies Mensch war in der Vergangenheit so erfolgreich, weil Wissen und Ressourcen geteilt wurden. Und weil gemeinsam an neuen Herausforderungen gearbeitet wurde. Wir leben im Informationszeitalter, aber statt die Angebote zu bündeln, wird alles immer unübersichtlicher. Es gibt eine unüberschaubare Menge Erdbeermarmeladensorten, Erdbeermarmeladenhersteller und Erdbeermarmeladenpreise. Mal abgesehen davon, dass wir eigentlich lieber frisches Obst essen sollten, würde es nicht reichen sich auf eine herstellerübergreifende Grundsorte zu einigen, in einer verbraucherfreundlichen, zeitgemäß nachhaltigen Verpackung und das zu einem fairen Preis?

Statt der Süßigkeiten sollten wir alle mehr Grünzeug essen! Ursprünglich hatte dies einen großen Anteil an unserer Ernährung. Aber im Gegensatz zu Obst und den meisten modernen Gemüsen treffen essbare Wildpflanzen wie die Brennnessel, pur gegessen, inzwischen nicht mehr den Geschmack der Konsumenten und benötigen eine kulinarische Anpassung. Die Brennnessel kann frisch oder als Pulver in viele Lebensmittel integriert werden. Doch dazu bedarf es der großflächigen Aufklärung, Forschung, Verfügbarkeit und der richtigen Produkte und am Ende der Werbung! Nur ein Zusammenschluss der großen und kleinen Hersteller kann so etwas in Bewegung bringen. Nur eine Lobby für die Brennnessel 😉

 

Brennnessellobbystatement:

 

Die überfällige Gesellschaftswende braucht dringend Alternativen zur gegenwärtigen Konsumorientierung. Beispielsweise den Abschied von der Werbung!

Werbung klaut uns Lebenszeit, Speicherplatz im Gehirn und verführt zu unnötigem Konsum!

Statt Werbung sollte es heute Plattformen und Vergleichsportale für Produkte und Dienstleistungen geben!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Preis der Brennnessel

  Brennnesseln im Körbchen Küche.jpg

Die erste Kooperation mit einem Biobäcker für mein neues Projekt: „Brennhilds Genießer Tipp“ erforderte zertifizierte Biobrennnesseln. Statt wie bisher, selbst gepflückte Brennnesseln aus meinem wilden Garten, mussten nun professionell erzeugte Brennnesseln her. Aber genau so wollte ich es ja haben! Frische Brennnesseln als gehandeltes Gemüse, das wünsche ich mir schon seit Jahren. Eigentlich träumte ich davon, gleich einen der großen Lebensmittelproduzenten für dieses spektakuläre Projekt zu gewinnen, doch dazu an anderer Stelle mehr 😉

Ich brauchte also einen professionellen Biogemüsebauern! Glücklicherweise fand sich auch ein dem Biobäcker bekanntes Unternehmen bereit frische Ware bereit zu stellen, so dass es also losgehen konnte.

Der Preis haute meinen Partner allerdings glatt um:

Ein kg frische Brennnesseln aus dem Biolandbau kosteten 20 Euro!!!

Gestern (29.09.2014) las ich in der Zeitung, dass die Schweinepreise fallen. Die Schweinehalter beklagen den gegenwärtigen Preis von 1,46 Euro pro Kilo Schlachtgewicht. Im Supermarkt oder Discounter um die Ecke heißt das beispielsweise für ein Kilo Schweinemett etwa 5 Euro.

Irgendwas passt hier nicht oder?

Die Kooperation wurde trotz allem erfolgreich durchgeführt. Das leckere Produkt kam beim Kunden dank entsprechender Aufklärung, sowohl durch meine Anwesenheit vor Ort, als auch durch begleitende Probierhäppchen und Infomaterial bestens an. Für die nächste Aktion hofft der Biobäcker allerdings auf die Biozertifizierung seiner mit Brennnesseln bewachsenen Streuobstwiese im nächsten Jahr…

 

Brennnessellobbystatement:

Wir brauchen endlich die Gesellschaftswende! Heute werden Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert. Ein Produkt müsste eigentlich den Preis haben, den nicht nur seine Produktion erfordert, sondern auch die Auswirkungen auf die Umwelt. Wenn z. B. die Müllkosten bereits an der Kasse bezahlt würden, würden die Leute weniger Müll in der Botanik entsorgen. Bei Süßigkeiten würde es schon schwieriger einen fairen Preis zu ermitteln: Müssen wir die Krankenkosten für Diabetes und die Reinigungskosten für Medikamente im Trinkwasser mit einberechnen? Oder sollte die Gesellschaft für mehr Aufklärung sorgen und für ein kostenloses Krankenversorgungssystem? Das alles muss neu entwickelt werden…

 

Die Brennnessel als Lebensretter

 

Es war einmal im Zeitalter vor dem Internet, dem Fernsehen und Co., da hatten Märchen die Funktion Menschen zu informieren. Liebevoll und mit viel Fantasie wurde auf diese Weise wertvolles Wissen konserviert! Die Kenntnisse über die Brennnessel waren für unsere Vorfahren wesentliches Zubehör der wichtigen ehemaligen Alltagskompetenzen. So wundert es nicht, dass auch sie fester Bestandteil dieses Schatzes der Menschheit geworden ist. Ob im Märchen „Die wilden Schwäne“ von Hans Christian Andersen, in dem es um die Bedeutung der Nesselfasern für die Anfertigung von Kleidung ging oder im Märchen der Gebrüder Grimm „Jungfrau Maleen“ in dem eine entführte Prinzessin nach ihrer Flucht einzig durch das Essen wilder Brennnesseln überlebte.

Heute vergessen, morgen wieder entdeckt?

 

Eine Lobby für die Brennnessel

Alles, was die Menschen zum Überleben brauchen, fanden sie ursprünglich in der Natur. Ein wichtiges Grundnahrungsmittel unserer Vorfahren war die Brennnessel. Diese vielseitige Eiweißlieferantin, enthält reichlich Vitamin C, Kalzium und vieles mehr. Urtica dioica ist schattenverträglich und eignet sich perfekt … Weiterlesen

Schaumburg ist Nesselland

Wappen_Landkreis_Schaumburg.svg

Wappen, Landkreis Schaumburg

 

 

Immer wieder werde ich gefragt, wie ich auf die Brennnessel gekommen bin.

2010 direkt nach meiner Diplomarbeit über „Die Geschichte, die Gegenwart und die Zukunft von essbaren Wildpflanzen“ arbeitete ich ehrenamtlich an dem landkreisweit gefeierten Jubiläumsevent „Schaumburger Friede, Schaumburg macht Ernst – 900 Jahre Schaumburg“ mit. Ich war Teil der Organisationsgruppe, die direkt an der Schaumburg selbst aktiv war. Da die Schaumburg auf dem Nesselberg steht, das Nesselblatt im Wappen verewigt ist und die Feierlichkeiten nachhaltige Projekte in Gang bringen sollten, lag der Gedanke die Brennnessel, als wertvolles Nahrungsmittel und bedeutsames regionales Erforschungsobjekt in die Öffentlichkeit zu transportieren auf der Hand ….

Näheres unter www.kann-man-essen.de/Referenzen